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Schwere Turbulenzen bei Griechenlands linker Opposition SYRIZA Tagesthema

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Unser Archivfoto (© Eurokinissi) zeigt den SYRIZA-Vorsitzenden Stefanos Kasselakis. Unser Archivfoto (© Eurokinissi) zeigt den SYRIZA-Vorsitzenden Stefanos Kasselakis.

Ein Riss, der durch die Reihen der größten Oppositionspartei des Landes, Bündnis der Radikalen Linken (SYRIZA), geht, wird immer sichtbarer. Am Samstag (13.11.) findet ab 12 Uhr im Athener President-Hotel eine Tagung des Zentralkomitees der Partei statt. Es dürfte ein kritisches Treffen werden. Man erwartet, dass im Zuge dieser Veranstaltung ein großer Teil der Parteifunktionäre den Hut nehmen wird, was einer Parteispaltung gleichkäme.

Am Mittwoch hatte der frühere SYRIZA-Minister Jorgos Stathakis in einem Artikel für die Internetseite news247.gr angekündigt, dass er seine Zeit bei SYRIZA hinter sich lasse. Dabei kritisierte er offen die Arbeit des neuen Parteichefs Stefanos Kasselakis, der erst Ende September das Zepter bei der Linkspartei übernommen hatte. U. a. warf er Kasselakis – einem griechischstämmigen Geschäftsmann aus den USA – vor, den „Amerikanischen Traum in seiner griechischen Fassung“ voranzutreiben. Außerdem brachte er seine Befürchtung zum Ausdruck, dass SYRIZA immer mehr der sozialistischen PASOK gleiche.  

Seit der Wiederherstellung der Demokratie im Jahr 1974 haben sich die PASOK und die konservative Regierungspartei Nea Dimokratia (ND) von Premier Mitsotakis fast ununterbrochen bei der Regierungsarbeit abgewechselt. Erst mit dem offiziellen Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2010 verlor die PASOK an Einfluss. Daraufhin konnte SYRIZA unter seinem damaligen Parteichef Alexis Tsipras zwischen 2015 und 2019 die Regierungsgeschäfte übernehmen – in einer Koalition mit der rechtspopulistischen ANEL. Seither verliert SYRIZA stetig an Wählerkraft; dafür gewinnt die PASOK nach ihrer Talfahrt jetzt wieder neue Wähler hinzu. Im Sommer ist Tsipras wegen eines unerwartet schlechten Ergebnisses bei den Parlamentswahlen von seinem Posten zurückgetreten. Dass Kasselakis im Zuge von innerparteilichen Wahlen seine Nachfolge antreten konnte, kam für viele SYRIZA-Leute, aber auch für politische Beobachter sehr unerwartet; der neue Parteichef war bis September auf der politischen Bühne so gut wie unbekannt.

Ein langerwarteter SYRIZA-Kongress soll Ende Februar stattfinden. Es bleibt abzuwarten, ob die Partei bis dahin noch als formale Einheit besteht oder schon gespalten sein wird.

(Griechenland Zeitung / eh)

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